Ein Konsument auf der Suche nach dem Markt

Hallo? Ist dort jemand?

Nein, nicht Sie, verehrter Leser, auch wenn Sie mir natürlich auch willkommen sind. Ich meine den Markt. Einen für eBooks.

iBookstore, Kindle, seid doch bitte mal ruhig. Ich kenne euch. ich meine ich aber nicht. Leider. Denn dann wäre mein Problem gelöst. Ich meine einen Markt für fremdsprachige eBooks.

Denn Fachliteratur lese ich in aller Regel auf Englisch, weil das meistens die Originalsprache ist. Und mein Englisch mehr als ausreicht und dadurch sogar noch besser wird.

Abseits von Sachbüchern (und da eben meistens Fachliteratur) komme ich seit geraumer Zeit zu wenig anderen Genres. Romane sind eher selten drin. Und doch, ab und an landen auch solche auf meinem Beistelltisch. Und da ist Englisch oft stark vertreten, aber auch mein Schwedisch würde ich gerne aufpolieren und habe daher Stieg Larssons „Män som hatar kvinnor“ kürzlich gekauft. Als herkömmliches Buch.

Und da sind wir beim Problem. Importierte Bücher sind ein Nischenmarkt, und importierte schwedische Bücher sowieso. Die Auswahl ist meistens eher spärlich, die Preise lassen schlucken und bei den Versandkosten sehnt man sich dann endgültig Amazon zurück.

Denn das muß man Amazon lassen: Englischsprachige Bücher aller Couleur erhält man dort zuverlässig, schnell und meistens auch günstig. Günstiger als die buchpreisgebundene deutsche Übersetzung erst recht.

Aber eben englischsprachige Bücher. Nicht schwedischsprachige. Oder rumänische. Oder estnische.

eBooks werden doch wohl die Lösung sein, sollte man meinen. Gerade Apples iBookstore. Oder Amazons Kindle-Buchladen.

Für englische eBooks ist der Kindle-Store tatsächlich eine gute Adresse. Jedenfalls für die Bücher, die für Kindle erhältlich sind (und eine Stichprobe mehrerer Bücher, die mich aktuell interessieren, verlief eher enttäuschend). Immerhin englisch. Aber halt nichts Schwedisches.

Apples Laden ist leider noch schlimmer. Denn dort komme ich auch an englischsprachige Bücher offenbar nicht heran. All die Verhandlungen mit den großen US-Verlegern, über die hierzulande wochenlang detailliert berichtet wurden, haben keinerlei Auswirkungen für mich. Die ganzen groß beworbenen Bücher: Ted Kennedy, Al Gore. Alles nichtmal in deutscher Übersetzung verfügbar.

Die Kleinstaaterei, die mit Amazon zumindest teilweise aufgebrochen wurde, ist bei Apple wieder allgegenwärtig.

Doch woran liegt das? Denn selbstredend wäre es für Apple technisch ein leichtes, die Bücher zum Kauf anzubieten. Und wenn es möglich wäre, dann würde es auch geschehen. Denn beim Deutschlandstart war der iBookstore in deutscher Variante doch noch arg leer. Keine gute Werbung. Und er ist noch immer überschaubar. Das Stöbern mit anschließenden Spontankäufen wie im AppStore will unter diesen Bedingungen einfach nicht einsetzen. Und das nicht nur wegen des deutlich höheren Preisniveaus für die Waren (iPad-Nutzer sind preislichen Kummer auch im AppStore gewohnt).

Und genau das ist die Zukunft. Wir haben doch gesehen, wie die Leute Apps in Massen kaufen, selbst schlechte Apps. Sofern die Ware ordentlich präsentiert wird, günstig ist und — vor allem anderen! — die Masse da ist, die zum Stöbern überhaupt erst einlädt.

Das ist doch bei Papierbüchern nicht anders: Beim Osiander in Tübingen kann ich ein wenig Zeit zubringen. Beim Wittwer oder beim Hugendubel in Stuttgart auch.

(Der Grabbeltisch im Supermarkt ist ein Extrem, aber eigentlich auch ein gutes Beispiel. In manchen Ländern sind Supermärkte sogar die Buchhändler mit der größten Marktmacht.)

Aber der kleine Buchhändler am Ort, der eigentlich doch viel sympathischer ist als die großen Ketten, da gehe ich nur rein, wenn ich etwas bestimmtes möchte, und schnell. Beispielsweise ein Last-Minute-Geschenk. Ein Buch, von dem ich weiß, daß er es führt (also schonmal nichts fremdsprachiges). Zum Regal mit den drei Computerbüchern („Office für Dummies“, „Digitalfoto-Bearbeitung“ und „Internet für Senioren“) muß ich gar nicht erst herantreten.

Und zurück zu Amazon: Warum bieten die nicht andere Sprachen an? Zu wenig Umsatz in Aussicht? Aber Amazon lebt doch gerade vom „long tail“, der Annahme, daß das Bedienen auch kleiner Nischen den Wert des Ladens für die Nutzer stark erhöht, ohne eine Kostenexplosion zu bewirken, die sich bei kleineren und Nicht-Online-Buchhandlungen zwangsläufig einstellen würde. Erst recht bei eBooks, die so gut wie gar keine logistischen Kosten verursachen.

Nachdem ich heute endlich wissen wollte, warum ich nicht kaufen darf, was bereits vorliegt, grundsätzlich verfügbar ist und eigentlich zu einer klaren Win-Win-Situation führen würde, habe ich heute eine ganze Weile recherchiert und insbesondere bei Charles Stross, einem SF-Autor, dessen Name mir noch nichts sagte, einiges gefunden, was Antworten zumindest auf ein paar der Fragen nahelegt.

Das Hauptproblem dürfte wohl in Verträgen und deren Usancen liegen, die in der traditionellen Buchwelt „schon immer“ so abgeschlossen wurden. Amazon und Apple sind dabei nicht so richtig vergleichbar, da sie völlig unterschiedliche Rollen im Buchverkaufs-Universum einnehmen, auch wenn der Käufer davon nichts merkt. Und daher kommt mutmaßlich auch der Unterschied im Angebot englischsprachiger Bücher.

Denn anscheinend tritt Amazon selbst als Verleger auf, der die Bücher sublizenziert. Und das offenbar weltweit. Eben sublizenziert auf die Plattform „Kindle“.

Apple hingegen scheint eine eher traditionelle Rolle als Buchladen (und Barsortimenter) einzunehmen. Damit scheinen die „alten“ territorial diskriminierenden Verträge zu greifen.

Aber warum? Und wie lange noch? Apple hat mit schierer Marktmacht die Musikindustrie in die Nähe der Kapitulation gebracht (mittlerweile ist in iTunes fast alles zu haben, die einzige ernsthafte Niederlage Apples, die mir bekannt wäre, war die durchgesetzte Weigerung der Musik-Majors, Einheitspreise von 99 Cent zu akzeptieren). Warum nicht der Buchindustrie auf die Füße treten? Zumal der iBookstore neben Amazon Kindle derzeit der einzig funktionierende kommerzielle Markt für eBooks ist. Und Amazon hat sich doch jüngst bei den Verlegern höchst unbeliebt gemacht, warum kann Apple da nicht Bündnisse schmieden, die ihren Online-Buchladen explodieren ließen?

Das ganze ist verworren und aus Kundensicht einfach unschön. Deswegen mein Aufruf an die Verleger, die großen Buchkonzerne:

Könnte ich bitte bald einen Marktplatz haben, bei dem ich die Bücher in elektronischer Form kaufen kann, die ich gerne möchte?