Marit Larsen in Stuttgart

Marit Larsen war heute im Theaterhaus in Stuttgart zu Gast und hat das Haus begeistert. Der Saal war mittelgroß, es war keine kleine Veranstaltung, wo jeder nahe an der Bühne ist, aber mit den größeren Räumlichkeiten in Stuttgart nicht zu vergleichen. Mehrere hundert waren es wohl, die am Konzert teilnahmen.

Die Norwegerin, die mit „If A Song Could Get Me You“ die deutschen Single-Charts gestürmt hat, tourt derzeit durch den süddeutschen und schweizer Raum.

Ihr Album If a Song Could Get Me You ist gewissermaßen eine Zusammenstückelung ihrer beiden ersten Alben, plus eben dem Titelsong.

Marit selbst sang etwa 80 Minuten, mehr gibt das begrenzte Repertoire vermutlich auch noch nicht her. Die Vorband (die kompetent war, mich aber nicht sonderlich beeindrucken konnte) bekam eine halbe Stunde, dazwischen zwanzig schier endlose Minuten Pause. Dafür, daß der Umbau der Bühne im wesentlichen aus dem Abtransport eines kleinen Köfferchens bestand, war das deutlich zu lang.

Ich hatte mir in froher Erwartung des Konzerts das MP3-Album gekauft und seitdem rauf und runter gehört.

Nachdem ich den Hit im Radio vielfach gehört hatte, war ich mir nicht so recht schlüssig, ob ihre Stimme nicht vielleicht doch etwas dünn sein würde. Von wegen! Da war nichts in Richtung „im Studio dutzendemale probiert, bis diese Schleife in der Melodie oder dieses ‚Tirili‘ sitzt“. Die Singstimme war makellos. Und wenn sie spricht, ist ihre Stimme fast noch besser, sehr angenehm warm.

Besonders nett wird es, wenn sie deutsche Wörter spricht. „Apfelschorle“ oder besser noch „Brandfall“ klingen aus ihrem Munde einfach süß.

Die ersten Stücke hatten für meinen Geschmack etwas zuviel „Drumherum“, das war zwar alles schön gestaltet, aber ich fand, daß es die Songs teilweise etwas erdrückte, wenn die Trommeln oder das Xylophon alle Aufmerksamkeit an sich ziehen.

Jedoch war der Text stets noch erkennbar und auch weitgehend verstehbar. Das ist ja leider auch nicht selbstverständlich. Wenn der Baßgitarrist mal loslegt, dann ist bei manchen Bands ja alles egal. Selbst bei R.E.M. kommt das vor, wie man sieht, wenn man mal andere Konzert-DVDs als die hervorragende Wiesbadener Aufzeichnung anschaut.

Ab der Mitte wurde es dann viel besser, viel zurückhaltender. „Under The Surface“ markierte in etwa diesen Punkt, das Lied war mit kleinerer Besetzung (zwei Bandmitglieder statt fünf auf der Bühne) vorgetragen.

Und an dem Lied war schön zu bemerken, daß Marit sich Mühe gegeben hat, das Lied etwas zu variieren und an die Gegebenheiten anzupassen (sie sagte, das Lied sei von einem großen Orchester begleitet, das ginge auf Tour eben nicht), es aber dennoch in vertrauter Form zu belassen.

Ich finde es immer schade, wenn ich mich auf ein Lied freue, daß ich vom Album her kenne und liebe, und dann erkenne ich es im Konzert kaum wieder, weil der Sänger es eben schon hunderte Male gesungen hat und heute abend Lust auf eine atonale Variante hat. Oder die von Fans eingesendete Übersetzung ins Klingonische zum Besten geben möchte.

Ein Lied, dem eine ruhigere, etwas gelassenere Performance (und insbesondere auch Begleitung) gut getan hätte, war „Solid Ground“, einer meiner absoluten Favoriten. In der heute gespielten Version war es schön, aber es hatte viel von seinem Zauber verloren. Marit alleine am Keyboard, das wäre es gewesen. Eventuell noch begleitet, entweder von der Sängerin oder vom Gitarristen, der am Ende auch zeigen durfte, daß er singen kann. Da hätte sie das Lied eventuell sogar in eine Liga mit Gerry Raffertys „Light Of Love“ bringen können.

Ein Roadie sorgte für den „comic relief“. Mitten in einem Lied kam er zur Begleitsängerin (die auch für Percussion und das Xylophon zuständig war), deren Stimme sehr schön zu Marit paßte, was in den wechselnden Passagen deutlich zu merken war. Man mußte schon genau hinhören, um sie auseinanderzuhalten, abgesehen davon, daß Marit natürlich die aufwendigeren Gesangsfiguren gebührten. Eine Backgroundsängerin muß eben im Background bleiben.

Dieser Roadie fingerte an ihrem Mikrofon herum, oder jedenfalls schien es zunächst so. War etwas defekt? Nein, gleich darauf geht der Spot zu ihm und man sieht, daß er eine Triangel hält und diese einmal anschlagen darf. Und dann wieder ab.

Die Zugabe bestand aus dem Cover eines Liedes, von dem sie sagte, daß es ihr über den zuweilen einsetzenden „Tourblues“ hinweghelfe. Titel und Künstler konnte ich mir leider nicht merken. Und natürlich aus „If A Song Could Get Me You“. Als Rausschmeißer, dadurch leider auch nicht unbedingt ein Stück für Genießer. Das hat sie eher zügig und ohne viel Gefühl runtergesungen, dazu heftiges Klatschen vom Publikum (das heute wirklich überrascht hat — seit wann schafft es ein deutsches Publikum, auf Zwei und Vier zu klatschen?) und eine ziemliche Begleitinstrumentsuppe.

Als besondere Überraschung kam Marit nach der Zugabe, als schon einige Leute den Saal verlassen hatten, nochmal auf die Bühne und sang das Lied gleich noch einmal. Weil es ihr erster Nummer-Eins-Hit in Deutschland ist. Und sie für zwei Echos nominiert ist. Eine schöne Geste, der zweite Versuch war aber natürlich noch rascher abgehandelt.

Insgesamt ein sehr schöner Abend (bis auf die Anfahrt, die sich im Berufsverkehr etwas stressig gestaltete).

Und definitiv preiswert. R.E.M. war für mich vergangenes Jahr nochmal etwas Größeres, aber nachdem Marit mit etwa 25 Euro für die Karte zufrieden ist, gibts da rein gar nichts zu meckern. Das wird bei R.E.M. dann doch teurer (die armen Schweine, die auf Destiny’s Child, Tom Jones oder Celine Dion stehen, seien hiermit gebührend bemitleidet).

Ich hätte nicht übel Lust, am 6. nochmal nach Karlsruhe und/oder am 12. nach Freiburg zu fahren. Aber das wäre für mich ein geradezu unerhörter Schritt.

Nachtrag: Ich war tatsächlich einige Tage später nochmal, und zwar in Ulm.